Über Kritik, Influencer-Hass und Vorurteile

April 2, 2018

"Für eine Bloggerin bist du ja eigentlich ganz cool!"

Ich bin auf einer Party, ich hole mir mein drittes Bier und rede mit ein paar Freunden über die letzten Wochen, Stress, lustige Geschichten und was wir so für die nächste Zeit geplant haben. Da ich viele Freunde habe welche im Kunst Bereich tätig sind, kommen wir auch auf das Thema Blog, Instagram und was zur Zeit Trend ist und was man am Besten lassen soll. Ein externer Gast schaltet sich ein, schaut mich an und sagt "Ey krass für ne Bloggerin bist du ja eigentlich ganz cool!".

 

Diesen Satz höre ich öfter, nicht weil ich glaube, dass ich unglaublich "cool" bin, sondern weil man mitlerweile die

Gesellschaft in 3 Fraktionen einteilen kann:

Ich weiß nicht was Blogger/Influencer sind, Ich kann Blogger/Influencer nicht leiden, Ich finde Blogger/Influencer spanned und folge ihnen. Es geht also bei dem Kommentar des Partybesuchers darum, dass ich seinem Bild eines Bloggers oder einer Influencerin nicht entspreche. Warum? Naja ich hänge nicht 24/7 am Handy, muss nicht alles fotographieren und man mag es kaum glauben ich bin gar nicht so narzisitisch veranlagt.

 

In den letzten Jahren hat sich ein Bild gefestigt wie ein Blogger/Influnecer zu sein hat und Charaktereigenschaften wie Intelligenz, Kreativität und Nächstenliebe gehören bei vielen nicht in diese Vorstellung. Woran ich das merke? Ich reflektiere mein Handeln ständig und in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass ich immer wenn das Thema Blog präsent wird alles ein bisschen runter spiele, ich versuche abzulenken oder das Ganze "nicht so wichtig zu nehmen" weil ich Angst habe. Ich habe Angst abgestempelt zu werden und in eine Schublade gesteckt zu werden da der Fakt dass man aktiv auf Instagram ist und seine Gedanken etc. auf einem Blog teilt die Intention einer Handlung ändert.

Wenn ich vor einem Jahr nicht mit einem Menschen sprechen wollte weil ich einen schlechten Tag habe war es ok, heute bin ich arrogant weil, wie ihr wisst ich bin ja Bloggerin/Influencerin. Wenn ich vor einem Jahr mein Outfit gecheckt habe weil ich wissen wollte ob das so passt war das ok, heute bin ich narzistisch und selbstverliebt weil, natürlich ich bin ja Bloggerin/Influencerin.

 

 

 

Nur was hat sich in den letzten Monaten verändert? Diese Vorurteile und die Abneigung (wo immer diese auch herrührt) ist modern geworden. Hashtags wie #ichbinkeinelitfasssäule oder Artikel wie kürzlich in der FAZ erschienen feuern diese Haltung nur an und stoßen eben auch böse bei der Gegenseite auf. Als ich die letzte Folge "MatchaLatte" (Podcast) gehört habe über die Berichterstattung von für mich immer sehr etablierten, neutralen und hinterfragenden Zeitungen über die Geburt von der Bloggerin Chiara Ferragni, war ich wirklich geschockt. Bezeichnungen wie "sich selbst reproduzieren" sind einfach nur abwertend und nicht menschlich. Egal ob Blogger, Putzfrau, Anwältin, Kassiererin oder Bankangestellte, wenn man ein Kind bekommt dann muss jeder damit umgehen wie er oder sie es für richtig hält und dann ist es immer noch die "Geburt" eines Menschen.

 

Aufgrund der letzten Wochen und der vielen unterschiedlichen Quellen aus welchen ich verschiedene Arten von Abneigungen erfahren bzw. mitbekommen habe, ist in meinen Gedanken immer wieder eine Frage routiert: Warum?

Meine persönliche Antwort hat mit dem Begriff "Kritik und Kommunikation" zu tun. Ich bin der Meinung, dass unsere Gesellschaft verlernt hat Kritik zu üben auf eine respektvolle Art und Weise und mit dieser in den Dialog zu gehen mit den Betroffenen.

 

 

 

 

 

Das Wort Kritik ist erst ein mal sehr schwer zu fassen und bedarf mehr als nur einer Meinung um Früchte zu tragen. Für mich ist Kritik die persönliche individuelle Beurteilung einer Sache. Diese Beurteilung kann positiv wie negativ sein und es wird der Zustand eines Objekts mit der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Geschmack und Vorerfahrungen verglichen. Der Begriff "Kritik" ist meist sehr negativ behaftet, da die Vorraussetzung für Kritik oft nicht gegeben ist. Diese wären für mich: eine respektvolle Formulierung, die Offenheit und Reflektiertheit einer Person um mit dieser Kritik eine Diskussion zu beginnen. Das Problem ist meist, dass es einen Grund gibt warum bestimmte Personen, Journalisten ein Problem mit Bloggern/Influencern haben und dieses Problem, die Kritik nicht an die Blogger/Influencer direkt tragen, sondern dies entweder hinter den Rücken der Personen geschieht oder auf Plattformen. Ein weiterer Punkt ist das Generalisieren, Bloggs und Instagram-Profile, die Intention dahinter und Beweggründe sind so individuell wie die Menschen welche diese Betreiben. Und genau darin liegt wiederrum der Knackpunkt: es ist eben kein Mensch perfekt und niemand kann jedem Menschen gefallen und allen Wünschen, Vorstellungen und Erwartungen entsprechen.

 

 

 

Ein Wunsch bzw. eine Frage welche ich gerne diesbezüglich in den Raum werfen würde ist:

Warum üben wir nicht direkt Kritik?

 

 

Ich würde mir wünschen das ein Jornalist nicht über seinen Eindruck einer Person schreibt sondern gezielt mit seiner Kritik auf diese zu geht. An Kritik kann man wachsen und Kritik hilft uns besser zu werden und vielleicht ist es eine utopische Vorstellung aber ich gaube in dem Moment in welchem man versucht hinter ein Profil zu sehen, offen ist für Anstöße auf beiden Seiten zu sein und differenziert zwichen Einzelnen Personen und Beitragen zu werten kann ein Dialog stattfinden von welchem beide Parteien profizieren können.

 

 

Ich hatte vor ein paar Wochen so eine Unterhaltung und ich muss sagen viele Dinge haben mich zum nachdenken angeregt, ich konnte meinen Standpunkt/Vision klar machen und wir beide sind danach mit einer anderen Sichtweise aus dem Gespräch gegangen. Ob ich danach etwas geändert habe? Ich weiß es nicht, vielleicht nicht bewusst, aber es hat mir weitergeholfen um mein Handeln zu überdenken und neue Entscheidungen zu treffen (selbst wenn sie identisch mit den alten waren). Mir ist es lieber, wenn jemand einen Kritikpunkt hat oder jemanden etwas nicht gefällt was ich mache, dass er/sie mich direkt darauf anspricht. Es bringt niemanden etwas wenn hinter verschlossenen Türen über Dinge gesprochen werden welche geändert werden können. Durch diese fehlende Kommunikation wird sich nie etwas ändern und dadurch können ich (und viele Bloggerkollegen) auch nicht besser werden und ihr könnt uns auch nicht besser verstehen.

 

Desswegen, seid reflektiert und mutig Kritik zu üben, übt diese auf direktem Wege bei den Menschen und seid offen für Disskussionen welche einen im Leben weiter bringen und den eigenen und den anderen Horizont erweitern können. Wenn wir das machen auf eine respektvolle und persönlich wertungsfreien Basis kann das nur eine Bereicherung für alle Parteien sein.

 

 

 

 

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